ÜLU nah dran - Folge 2


Einblicke aus der überbetrieblichen Ausbildung –
Aus der Sicht des Ausbilders

Fortführung unserer Kurzserie – ÜLU nah dran
Über die Schulter eines Ausbilders geschaut – was macht ‚Der‘ eigentlich den ganzen Tag?

Der Ausbilder in der ÜLU: Fachkompetenz weitergeben heißt mehr als erklären

Wer an ÜLU denkt, stellt sich oft Unterricht an der Tafel – bzw. jetzt in digital – am Whiteboard vor. Die Realität sieht aber anders aus.
Der Ausbilder in der überbetrieblichen Unterweisung ist vor allem eines: Fachpraktiker mit Verantwortung.

Grundvoraussetzung ist eine solide fachliche Basis. Der Ausbilder kennt die Systeme, die Fahrzeuge und die Arbeitsabläufe aus der Praxis. Er ist fit in der Technik und weiß, was Kunden wünschen. Gleichzeitig muss er sein Wissen regelmäßig auffrischen – denn Technik, Diagnoseverfahren und Anforderungen verändern sich stetig.

In der ÜLU geht es dabei nicht um Spezialwissen für Einzelne, sondern um tragfähige Grundlagen für viele. Der Ausbilder entscheidet:
Was ist prüfungsrelevant? Was brauchen die Auszubildenden wirklich für den Berufsalltag?

Eine zentrale Aufgabe des Ausbilders besteht darin, die ÜLU‑Woche sinnvoll zu strukturieren. Theorie und Praxis greifen ineinander, Aufgaben bauen aufeinander auf, jede Station hat ein klares Ziel. Dabei gilt: Erklären ja – vorsagen nein.
Der Ausbilder gibt Impulse, stellt Fragen, lenkt den Blick auf Zusammenhänge. Die Lösung entsteht im Kopf der Auszubildenden. Ein gewisses Maß an Unsicherheit und Nachdenken ist ausdrücklich erwünscht.

Denn nur wer selbst überlegt, versteht die Technik und festigt das Gelernte.

Während der Praxis ist der Ausbilder ständig in der Werkstatt präsent. Er beobachtet, hört zu, greift ein, wenn Fragen oder grundsätzliche Unklarheiten auftreten.

Gleichzeitig lässt er Raum für eigene Lösungswege. Nicht jede Frage wird sofort beantwortet, nicht jeder Fehler sofort korrigiert. Lernen bedeutet auch, Erfahrungen zu sammeln – unter seiner fachlichen Aufsicht.

Die einzelnen Gruppen im Unterricht sind gut durchmischt.
Unterschiedliche Betriebe, verschiedene Vorkenntnisse, unterschiedliche Arbeitsweisen. Der Ausbilder sorgt dafür, dass alle Auszubildenden am Ende auf einem vergleichbaren fachlichen Stand sind – unabhängig vom Ausbildungsbetrieb.

Das erfordert Fingerspitzengefühl, Geduld und die Fähigkeit, das unterschiedliche Wissens-Niveau auszugleichen, ohne zu bremsen.

Am Ende der ÜLU‑Woche fasst der Ausbilder zusammen, was erreicht wurde. Er gibt den Auszubildenden Rückmeldung zu Arbeitsweise, Verständnis und Entwicklung. Dieses Feedback hilft auch den Betrieben, den Ausbildungsstand realistisch einzuschätzen.

Fachkompetenz weiterzugeben, bedeutet in der ÜLU nicht, möglichst viel zu erklären.
Es bedeutet, Lernprozesse zu ermöglichen, Sicherheit zu vermitteln und junge Menschen für ihren Beruf zu stärken.

Fortsetzung Folge 3